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Alternatives Beltane
01.05.2018 22:10

Tödliche Männergrippe hin oder her: Dienst ist Dienst, ich liebe meine Arbeit. Und heute habe ich sie ganz besonders genossen!

Ich hatte heute ein etwas flaues Gefühl im Magen. Es ist die erste Maifeier seit 16 Jahren, die ich nicht als Heidin feierte. Dabei war Beltane, das Fest der Liebe und des Lebens, stets mein liebster Sabbat... Ich liebe den Frühling, wie die Natur zu neuem Leben erwacht und sich uns in ihrer ganzen, bunten Schönheit offenbart. Aber ich spüre auch deutlich, dass ich auf dem richtigen Weg bin und trotz dieses gelegentlich aufflammenden "Heimwehs" nicht zurück will. Wobei das vielleicht eher der falsche Ausdruck ist... Im Grunde ist es wohl eher einfach das Gewohnte, das mich so lange begleitet hat.

Heute hat mich spontan ein Artikel zu der Thematik angesprungen.
Und zum ersten Mal sah ich, wider Erwarten, die "andere" Seite: Viele Kommentare darunter sind in der Aggression und im Zorn gegen Christen formuliert, die oft einfach nur geschrieben haben, dass sie für die Heiden beten.
Was die Kirche im Mittelalter an Holocausten und Kriegen veranstaltet hat, ist nicht zu entschuldigen, diese Haltung vertrete ich bis heute!! Schon im alten Testament steht klar: "Du sollst nicht töten", was sogar deutlicher formuliert ist als die Wiccan Rede mit ihrem "Schadet es keinem, so tu', was Du willst".
Aber diese Haltung auf heutige Christen zu übertragen bzw. derart zu pauschalisieren... Und das von einer religiösen Bewegung, die sich selbst als sehr tolerant und weltoffen sieht! Das erstaunt und erschreckt mich gleichermassen. Ich kann mich erinnern, wie ich damals, mit 18 Jahren, meinen Austritt aus der reformierten Kirche mit ähnlichen Argumenten begründete. In meinem Herzen war der Hass, obwohl ich mit der Kirche nahezu keine schlechte Erfahrungen (abgesehen von zwei Vorfällen) machte und der Pfarrer mir sogar anbot, das Wiccatum der Gemeinde vorzustellen und zu erklären.
Heute schäme ich mich sehr dafür und mich trifft dieser blinde Hass von denen, die ich einst als Brüder und Schwestern betrachtete... Schliesslich nagle ich sie ja auch nicht darauf fest, was die ungarischen Heiden mit
Szent Gellért getan haben!

Und so hat sich heute für mich das Hexentum auf verschiedenen Ebenen wie von selbst entzaubert. Vieles dieser vermeintlich alten Wege entpuppt sich letztendlich als moderne Marketingstrategie, auf die zu viele Unschuldige hereinfallen. Ich hege daher keinen Groll und habe allen lieben Menschen da draussen offenen Herzens einen schönen Sabbat gewünscht. Ich hatte meine guten Zeiten und behalte diese in Erinnerung, ich sehe viele als lediglich genauso verblendet wie ich und nicht als bösartig an sich und daher möchte ich den Menschen auch religiös in Verständnis und Frieden begegnen. Ich möchte es besser machen als auch schon.

Kommen wir zurück zum heutigen Tag, der sich trotz der vergangenen Lehren das Gute daraus bewahrt hat. Der Herr hat mir heute erneut bewiesen, dass er mir nichts wegzunehmen gedenkt, dass gut ist!
Heute war ich mit einigen Patienten meiner Station und einem meiner Lieblingsteamkollegen (da sehr empathisch) im Naturschutzgebiet rund um den Thurspitz unterwegs. Der Fluss mündet an dieser Stelle in den mächtigen Rhein und ringsherum in diesem Gebiet ist ein beeindruckendes Reservat für Wildtiere entstanden. Wir sahen seltene Wasservögel und hörten viele Vögel und Frösche. Das Wetter hat erstaunlich gut mitgespielt, zeitweise war der Himmel sogar blau. Auch mit den Klienten ging alles gut, keine Überforderung, entsprechend keine Aggression. Es war ein richtig entspannter, schöner Tag, der mir sogar den entkräfteten Körper etwas stärkte. Unterwegs holte ich mit meinem Wissen über Pflanzen, Kräuter, Bäume und Tiere die Bewunderung der Patienten und auch des Kollegen ein, der sich mit der Thematik ohnehin näher zu beschäftigen gedenkt. Mir war erst nicht wohl, dass dieses Wissen so im Zentrum stand, hatte ich es mir doch mehrheitlich als Heidin angeeignet, aber ich erhielt die Eingebung, dass an diesen Dingen nichts falsch ist. In jedem Kloster gibt es einen Kräutergarten im Kreuzweg. Die Walpurgisnacht ist inzwischen nach der heiligen Walburga benannt. Auch ist nichs falsch daran, die Schöpfung zu achten und Sorge zu ihr zu tragen (in meinem Fall z.B. auch politisch). Der Herr zeigte mir so, dass er mir nichts an Fähigkeiten abzuerkennen droht, im Gegenteil. Ich erfuhr so unbewusst sehr viel Toleranz und Liebe, einfach für das, was ich bin!
Wie ich so am Thurspitz stand und die wirbelnden Wasser betrachtete, manifestierte sich diese Botschaft erneut in aller Deutlichkeit: Sieh auf diese beiden Wasser; das Eine ruhig, das Andere wild, das Eine klein, das Andere gross. Sie beide vereinen sich zu einer Einheit, trotz ihrer Unterschiede. Und sie beide fliessen in eine Richtung: So ist es mit den Religionen. Letztendlich zielen sie alle darauf ab, das Göttliche zu ehren und dass ein Jeder sein Leben als guter, erbaulicher Mensch gestaltet. Reduziere Dich nicht auf das, was war. Was heute ist, das ist gut, in all seinen Facetten! Blicke nach vorne, wie das Wasser.

Thurspitz
Song der Woche
Papst versteigert Lamborghini

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