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Ju
Ein Abschied
28.06.2018 20:00

Heute fand die Urnenbeisetzung einer meiner Bezugspatienten statt, auf dem Stadtfriedhof von Winterthur.

Es war die erste, katholische Beerdigung, der ich (bewusst) beiwohnte; dennoch war sie trotz der Standardprozeduren, die ich als nicht minder innig empfand, indiviuell gehalten und alle verbelibenden Patienten und Anwesenden wurden aktiv miteinbezogen. Sein langjähriger Mitbewohner erwähnte nebst einem rührenden Gebet in Versform, dass Peter lange Zeit vor jedem Essen still wurde und betete.

Ich selbst war still und verhielt mich bewusst zurückhaltend, auch wenn in meinem Inneren viel los war. Ich hatte viele "kleine" Momente des Alltags vor Augen. Ich erinnerte mich daran, dass ich vor nicht allzu langer Zeit seine gesamte Akte für das Altersheim zusammentrug. Ein Leben kann so viel umfassen... Und all das kann von einem Windhauch davongetragen werden, wie eine Flamme in der Zugluft, plötzlich und kalt. Ein ganzes, langes Leben.

Mir wurde bewusst, dass selbst eine noch so unscheinbares Licht eine Lücke hinterlässt, einen schwarzen, dunklen Fleck inmitten der Wenigen, die ihr Licht der Erinnerung dafür umso heller erstrahlen lassen.
Es kamen viele Menschen an diesem Tag zusammen... Und jeder hatte seine eigene Beziehung zu diesem besonderen Menschen, selbst ich, die ja nur ein Jahr auf dieser Station verbringt und ihn noch nicht so lange gekannt hat.

Ebenso bedauerte ich den Tod des Patienten, der ihn so rasch und kräftezehrend ereilte... Und die Patienten, welche diesen Zerfall bewusst und vielleicht auch hilflos beobachteten. Pankreaskrebs ist echt ein *****, sorry.
Umso schöner fand ich es, wie sich alle Patienten tadellos und anstandsgemäss verhalteten, trotz ihrer unterschiedlichen Ticks und Probleme. Ich fand ihren würdigen Umgang nahezu beeindruckend und ein wunderbares Symbol der Wertschätzung gegenüber einem Menschen, den sie bereits jetzt liebevoll und lebendig in Erinnerung halten.

Auch die Verwandtschaft haben ihrem geliebten Menschen ein liebevolles Denkmal gesetzt, mit persönlich gestalteten Trauerkärtchen und einem offenen Herzen gegenüber so vielen Fremden... Ich wünsche ihnen allen nur das Beste in dieser schweren Zeit. Ich weiss selbst, wie schnell die ersten Wochen, Monate einfach dahinfliegen können...

Ich bin dankbar, lieber Peter, dankbar für alles, was Sie mich gelehrt haben.
Und ich bin zuversichtlich, dass Sie kein Leid mehr kennen müssen, sondern von unserem Vater liebevoll an der Hand genommen wurden.
Bis irgendwann, hoffentlich. Es würde mich sehr freuen. <3

Licht der Hoffnung
Seht mal...!
Lets go together!

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