26
M
Haussegen und Fastenfluch
26.03.2018 17:00
Gesegneter Zweig

Heute stattete ich der Zürcher Liebfrauen-Kirche einen kurzen Besuch ab, da ich frei hatte. Dabei habe ich nachträglich einen gesegneten Zweig erlangt. Bei meinem Exemplar handelt es sich wohl um den Zweig eines Buchsbaums. Traditionell werden an Palmsonntag hinter die Hauskreuze gesegnete Zweige gesteckt, als österliches Symbol des Lebens und des Sieges über den Tod.

Fasten-Zeitschrift
Kirchliche Fastenzeit

Es ist ein weiterer dieser wundersamen "Zufälle", die der Herr mir immer wieder mit dem Zaunpfahl vor die Füsse schiebt...
Ich könnte endlos aufzählen: Da ist der sonst so zurückhaltende Arbeitskollege, der mir den Tipp mit dem Intervallfasten (8 Stunden bis zum Sattwerden essen, 16 Stunden lang gar nichts) gab,
da war das Magazin bei meinem eigentlich geplanten Metalzeitschrifteneinkauf, welches mir diesen Tipp wiederholt ans Herz legte, da ich bei meinem Arbeitskollegen typischerweise auf dem Schlauch stand,

da war die Stern-Ausgabe mit dem Artikel des Papstes, für den ich das Satiremagazin "Titanic" liegen liess,
da waren die Erdbeeren im Regal, die mich statt der Süssigkeiten anlachten,
da waren all die straffen Zeitpläne, die mich von diesem verhängnisvollen Futtern-aus-Langeweile bewahrten etc.

Trotz aller dieser Zeichen und Wunder blieb mir der Erfolg nach meinen strengen Vorstellungen oft verwehrt. Ich bin von Natur aus verfressen und wenn ich es nicht bin, so ist es die Gesellschaft um mich herum: Mittagessen kochen mit den Patienten, Abendessen mit der Familie... In Ungarn werden Mahlzeiten als gesellschaftliches Beisammensein stundenlang und üppig zelebriert, ein Ausfall kommt einer harten Beleidigung gleich. Dieser Wert steckt mir bis heute im Blut.
So habe ich mich jeweils darum bemüht nur das anzunehmen, was mir angeboten wird, denn es würde mir auch so an nichts mangeln. Leider spielt da oft mein Biorhythmus nicht mit: So gab es Kaffee und Kohlenhydrate in Form von Gipfeli am Morgen, um in die Gänge zu kommen.

Nun, zur Fastenzeit gehörten und gehören auch packende Predigten, auch ausserhalb der kirchlichen Mauern.
Der Fokus liegt auf der Versöhnung, die ich mir im Alltag so manches Mal herbei sehne; mein Stolz sieht jedoch nicht ein, dass ich immer den Bückling vor allen anderen zu machen habe, wie es bisher der Fall war. Das führt ebenfalls zu Frust und Kummer.
Letztendlich bleibt mir die Botschaft nach meiner ersten Beichte vor Augen: Der Pfarrer meinte, ich solle mit kleinen Schritten anfangen und jeden noch so kleinen Sieg feiern, statt nur auf das zu fokussieren, was ich (noch?) nicht hinkriege. Diese Mammutaufgabe eines inneren Knotens löst sich nicht von heute auf morgen und ist immer wieder Bestandteil meiner Selbstreflektion... Ich bin froh, dass er mich ab und an daran erinnert.

So habe ich:
° durchaus einige Male Hunger verspürt
° einige Male bewusst Nein zu Versuchungen gesagt
° einzelne Tage fast komplett in meiner Strenge geschafft
° einige, christliche Projekte durch das Fastenopfer unterstützt
° im Alltag oft bewusst inne gehalten
° auch nach Rückschlägen nicht aufgegeben, sondern jeden Tag neu begonnen

Ich denke, für die erste Fastenzeit in 28 Jahren ist all das zumindest nicht nichts.
Ich hege weiter die Hoffnung, dass ich es in den letzten Tagen wenigstens einen Tag lang schaffe, das Fasten nach meinen Vorstellungen durchzuziehen...
Drückt mir die Daumen! ;)

Song der Woche
Focus...!

Kommentare


Datenschutzerklärung