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Pilgerreise zu sich selbst
11.05.2018 22:50

Heute marschierte ich mit meinem Brüderchen vom Ufer des Zürisees bis zum Kloster von Einsiedeln.

Über vier Stunden dauerte der Marsch am Fusse des Höhronen entlang, aber das Wetter war traumhaft, der Ausblick atemberaubend und die inneren Erkenntnisse tiefgreifend, während wir immer wieder Pausen einlegten, Rüebli mampften und den Kitsch der Schweizer Alpen (in der Ferne) auf uns wirken liessen. Ich war froh um das leichte Gepäck, das lediglich aus meinem Rucksack bestand, denn der Weg war lang und steil.
Es war ein Minivorgeschmack auf das, was ich mir im Leben als grosses Ziel gesteckt habe: Die Bewältigung des klassischen Jakobweges.
Ich weiss auch nicht, warum mich diese Thematik so stark ruft. Die Wegweiser in der Schweiz sind mir schon oft ins Auge gestochen, noch bevor ich (zurück) zum Glauben fand... Oft führen die Routen an stille Plätze inmitten der Natur, wo lediglich der Herr selbst zu walten scheint. Die Atmosphäre an diesen Stationen berührt mich oftmals sehr, ich kann dort meine Gedanken ordnen, lauschen und Ruhe finden, ähnlich der
Wanderung vom 1. Mai, welche ebenfalls auf einem Jakobsweg lag.

Ob ich dieses Vorhaben in die Tat werde umsetzen können, oder ob es nur zur Rückfindung innerhalb der Schweiz reicht, von der ich mich oftmals und eher zunehmend distanziert fühle, wird sich zeigen. Der HERR wirds schon richten.
Für heute genossen wir gemeinsam das Auspowern beim entspannten Laufen. Mein Bruder zeigte, im Gegensatz zu meiner schweren Wampe, keinerlei Erschöpfungsanzeichen, im Gegenteil, beim Sport blüht er regelrecht auf, erst recht inmitten der Natur. Mit einem triumphierenden Grinsen erreichte er schliesslich als Erster von uns den imposanten Marienbrunnen vor dem Kloster. Im Anschluss entzündeten wir Kerzen in der Turmkapelle des Benediktinerklosters, wo es ruhiger war als beim "Brandherd" der zahlreichen Kirchenbesucher. Ebenfalls konnten wir unsere Anhänger von einem Priester segnen lassen: Mein Bruder wollte dabei seine wunderätige Medaille, die er sonst immer trägt, erst beinahe nicht auf die Segensbank vor dem Altar ablegen. Letztendlich hat er sich jedoch doch für die fünf Minuten dazu durchringen können, als ich schliesslich demonstrierend mein Vaterunser-Kreuz, meinen Rosenkranz und die Traubibel unserer Eltern dazu legte. Erst da glaubte er mir, dass ihm wirklich niemand sein geliebtes Marienbild wegnehmen will! ;)

Bevor wir uns wieder auf dem Heimweg machten, beteten wir in der prachtvollen Kirche einige Dankesgebete und vollzogen den Rosenkranz auf dem Outdoor-Kreuzweg des Klosters. Gerade beim schmerzhaften Rosenkranz wandere ich die Kreuzwege oftmals tatsächlich mit, um mir vor Augen zu führen, was der Messias für uns alles erlitten hat... Ich möchte dem Pfad seiner Selbstlosigkeit folgen, so gut ich es nur kann.
Und in diesem Zusammenhang erhielt ich heute erneut eine Eingebung: Gem. dem Vorbild der Franziskaner ist Armut, so oft meine Familie und ich auch darunter leiden, im Grunde genommen ein Segen, denn sie lehrt Bescheidenheit und den Fokus auf das, was wahren Wert hat. So habe ich heute viele meiner christlichen Besitztümer verschenkt: Rosenkränze, Bücher, Schmuck etc. Viele Menschen haben sich gefreut und ich fühle mich entlastet von so vielen Dingen, die ich nie gebraucht habe und die ich nie in diesem Übermass brauchen werde.
Lediglich drei Andachtsgegenstände, allesamt Geschenke, sollen mich begleiten:
Mir reicht ein Kreuzanhänger.
Mir reicht ein Rosenkranz.
Mir reicht eine heilige Schrift.

Ich bin glücklich und dankbar für diese Eingebung.
Bescheidenheit ist eine Tugend, die mir persönlich sehr wichtig ist und die ich entsprechend zu bewahren gedenke.

Zürisee
Klosterkirche von Einsiedeln
Schönheit der Nacht
Der Anfang vom Ende

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