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Fe
Von Veränderung und Freiheit
06.02.2019 08:00

"Weisst Du, was ich echt nicht haben kann? Den Satz 'Du hast Dich aber verändert!'. Natürlich verändere ich mich, hoffentlich auch! Sonst würde ich ja stehen bleiben!"
"Ja, im Grunde das schönste Kompliment, das man kriegen kann."

An meinem Geburtstag gab es keinen Kuchen.

Ich feiere meinen Geburtstag nicht gerne, da ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe, schon gar nicht so gekünstelt... Auch Geschenke gab es keine, zumindest nicht zum Auspacken. Dafür die, die umso wertvoller sind: Ich verbrachte Zeit mit einem geliebten Menschen, der mir so gut tat, dass mir erst um kurz vor drei Uhr nachmittags bewusst wurde, dass ich ja noch gar nichts im Magen hatte, mit Ausnahme des Kaffees, den wir uns in der gemeinsamen Zeit genehmigten. Tatsächlich brauchte es auch nicht mehr, denn das Glück wieder psychisch aufgebaut zu werden erfüllte mich dermassen, dass die innere Leere nicht mit etwas Anderem verzweifelt gestopft werden musste.
Nashira, meine beste Freundin, hatte schon recht, als sie sagte, dass die Fresserei einen tieferen Ursprung hatte und dass wir uns beide einfach mehr sagen müssen: "Es reicht. Wir sind gut genug. Wir sollten uns mehr vor Augen führen, was wir schon alles im Leben geschafft und geleistet haben."

Überhaupt haben wir viel geredet, über alles Mögliche. Ich merkte, dass ich im typischen Zürcher Fahrwasser gefangen war und wohl öfter mal wieder nach Bern kommen sollte... Denn wie so oft habe ich mir über viel zu viele Dinge Sorgen gemacht, die es gar nicht gebraucht hätte.
Sie nahm gelassen entgegen, dass mir unser gemeinsames Jugendidol eine liebe Erinnerung geworden ist, die ich anders in Ehren halte, als mich weiter auf Materielles wie Merch zu versteifen. Ich war erleichtert, dass sie diese Entwicklung nicht als "Verrat" unserer bisherigen Ideale sah, sondern eben als die entscheidende Entwicklung, die sie einfach darstellt.
Unbefangen und aufgehoben plauderten wir uns so von einem Thema zum nächsten; vom sozialen Engagement, das uns beiden so wichtig ist, zum Reisen, zur Religion bis zu offenen Gedanken über unsere Zukunft... Es war reiner Balsam für die Seele und alles fand Platz, obwohl das Zeitfenster enger bemessen war als sonst üblich.

Beschwingt und vor allem von vielen Dingen erleichtert wanderte ich im Anschluss noch etwas durch die herrliche Altstadt von Bern; vorbei am prachtvollen Bundeshaus und an der Zytglogge, bis zum ausladenden Münster im Kern der engen und malerischen Gassen.
Dort liess ich mich kurz nieder, liess das Licht der strahlenden Glasfenster auf mich wirken und dankte dem Herrn für diesen Tag, den er mir geschenkt hat.

Noch bevor ich früher als geplant die Rückreise nach Züri antrat, konnte ich alles bequem und ohne Stress erledigen, was ich sonst noch so erledigen wollte. Beflügelt reiste ich mit dem Zug heimwärts, die Musik der Priester im Ohr, die sich schöner anfühlte als schmelzende Schokolade auf der Zunge. Ich hatte beide Male einen Fensterplatz auf dieser sonst so vollen Hauptstrecke und auch sonst mangelte es mir an keiner Kleinigkeit.

Wieder in den heimischen Mauern hielt ich die Fotos von mir in den Händen, die ich in Bern spontan habe machen lassen. Eigentlich hasse ich Fotos und drücke mich sogar in den Ferien um so manche, schöne Erinnerungsaufnahme. Aber dieses Mal habe ich mich bewusst aufnehmen lassen, breit lachend und voller Stolz mit dem Kreuz um den Hals, das Nashira nun ebenfalls trägt, da ich ihr eines als Geburtstagsgeschenk besorgte.
Das bin ich.
Das Lächeln von heute möchte ich mir bewahren.
Ich habe in den letzten Wochen viel Leid durchgemacht und war wirklich von jedem der Schuhabtreter.
Damit ist jetzt Schluss. Das Göttliche wohnt auch in mir und diesem habe ich genauso Sorge zu tragen, denn es heisst "liebe den Nächsten wie Dich selbst" und nicht "liebe nur den Nächsten statt Dir selbst"!

Und so beschenkte ich mich selbst mit einem kleinen Stück Freiheit: Ich war nie begeistert von Whatsapp, also löschte ich meinen Account und bleibe bei Telegram. Wem ich was wert bin, der wird mir folgen und wer nicht, der soll alleine weiterwursteln.
Auch löschte ich meinen twitter-Account. Ich hielt dort seit Wochen alte Gewohnheiten aufrecht, die mir eigentlich nichts mehr sagen und zu oft wurde ich ermüdet von irgendwelchen Politfloskeln usw.
Jetzt habe ich nur noch den Zweitaccount, auf dem ich ausschliesslich der Hand voll folge, die ich möchte und auf dem ich Negativem keinen Raum mehr bieten mag. Vielleicht findet einer meiner wenigen Lieben dort hin und sonst verstehe ich, dass nicht jedem meine Entwicklung passt, weswegen ich mich auch leise und ohne theatralischen Abschiedsgruss zurück zog... So oder so wünsche ich jedem alles Gute.

Ich habe ein grosses Stück Frieden erlangt.
Mit der Vergangenheit und der Gegenwart, vor allem aber auch mit mir selbst.

Ein neues Leben
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