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Wort zum Sonntag
30.09.2018 18:20

Dankbarkeit.

Heute sahen wir im Gottesdienst nicht nur vermehrt auf die Kinder, den Spross unserer Gesellschaft, sondern auch auf uns selbst: Wie sind wir im Laufe des Jahres gewachsen? Welche Erfahrungen haben wir gemacht?

Diese Überlegungen haben mich noch lange nach dem Kirchgang beschäftigt.
Im Rahmen unseres Sonntagsausflugs führte uns der Weg von der Magdalenakirche von Rafz zur Magdalenakapelle in Rheinau, dem Städtchen auf der Halbinsel, in der ich meine Pflegeausbildung vor noch gar nicht so langer Zeit absolvierte, auch wenn es mir jetzt unendlich lange her scheint... Wie wir also über die Rheinauer Insel flanierten, mein kleiner Bruder und ich, und wir gemeinsam besonders hübsche Kastanien einsammelten, blickte ich zur Kapelle am Inselspitz: Dort fing es an, vor fast genau einem Jahr... Mein neues Leben.

Wir nahmen in dem kleinen Kirchlein Platz, welches innen nicht so überladen ist wie die nahe Klosterkirche, aber durch zahlreiche Malereien an den Wänden nicht minder hübsch gestaltet ist.
Das Wasser des Rheins, der das Kirchenschiff zu beiden Seiten gemählich und doch mächtig umströmt, zeichnete sich schillernd durch die Fenster an der bemalten Decke ab: Die Symbolik eines lebendigen Wassers, von dem uns der HERR umsonst gibt, ohne Anspruch auf eine Gegenleistung, einfach aus reiner Liebe heraus... Ganz gemäss der aktuellen Jahreslosung.
Vater Rhein, zeitlebens unser beider enger Begleiter, untermalte dies zusätzlich. Er ist der Fluss unseres Lebens, gesäumt von zahlreichen, prächtigen Schlössern, ganz so, wie im mittleren, zentralen Kirchfenster unserer Weycher Dorfkirche porträtiert, in welcher der Götti meines Bruder lange Jahre Sigrist war.

So sahen wir in der Stille auf unser bewegtes Leben, auf all das, was gerade in den letzten Jahren an Mangel und Unruhe überstanden wurde.
Hier sind wir nun, glücklich darüber, dass wir einen Himmel auf Erden haben, dass wir selbst die dunkelsten Stunden wundersamerweise überstanden haben, ohne daran schwerwiegenden Schaden genommen zu haben.
Nun sind wir in der Ruhe, die wir geniessen können und dürfen.

Ich bin dankbar, unendlich dankbar.
Dass wir trotz einiger Wehwehchen an sich gesund sind, für den Lehrabschluss und meine Arbeitsstelle, die ich so sehr liebe; für all die Freunde, die meine digitalen Funkstillen mit unendlicher Geduld ertragen und bei denen ich mich nicht verbiegen muss. Ich bin dankbar für all die Launen und alle Versagen, die mir grosszügig erlassen werden. Ich bin dankbar für jede Erkenntnis und all das, was die Stille in mir und aus mir heraus bewirkt. Ich bin dankbar für jede Narbe, die mir eine Lektion im Leben beigebracht hat. Ich bin dankbar für jeden Fuken Mut, den ich dazu gewinne.

Ich bin dankbar.
Ich bin glücklich.

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