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Ok
Wort zum Sonntag
07.10.2018 20:00

Gemeinsam.

Bereits morgens, vor Antritt meiner Schicht, entzündete ich in der Lourdesgrotte in  der nahen Kirche wie gewohnt ein Licht. Dieses Mal war es jedoch nicht nur spezifisch für meine Eltern, sondern auch für meinen Bruder, meine beste Freundin und all die lieben Seelen, die mir Tag für Tag das Leben versüssen, sei es im Privatleben, am Arbeitsplatz, im ÖV.
Es war ein Licht der Einigkeit.

Obwohl ich heute Dienst hatte, war ich bemüht darum die Mittagsmesse nicht zu verpassen. In letzter Minute — denn meine Arbeit ist mir lieb und wichtig — schaffte ich es pünktlich zum Beginn des Gottesdienstes und japste so leise wie möglich nach Luft, während die Glocke langsam verstummten, die vorher durch ihr melodisches Klingen laut das Volk zusammen riefen.

Durch die Sonntagslesungen wurde heute hervorgehoben, dass der Mensch nicht trennen soll, was durch Gottes Fügung geeint wurde.
Dies betrifft nicht nur die Ehe, sondern auch die Bündnisse ganzer Völker, Freundschaften zu seinen Nächsten, sogar zu sich selbst.
"Im Tod sind alle gleich", heisst es auch manches Mal so schön. Sind wir letztendlich nicht auch im Leben alle gleich, irgendwie? Letztendlich gilt doch auch Maria als Frau aller Völker, wie sie uns alle vom Altarbild dieser Kirche her mit offenen Armen empfängt.
Ich machte mir Gedanken und bedauerte es erst, heute den Gottesdienst nicht mit meinem Bruder besuchen zu können. Und doch... Sind wir letztendlich nicht getrennt. Auch meine beste Freundin und ich nicht, die wir uns so selten sehen, denn wir erhalten unser Band stets in Liebe und in Achtsamkeit aufrecht.
Jeden Tag versuche ich aufs Neue wieder da anzuknüpfen, wo im Grunde nichts geendet hat. Für die Gabe dieser Konstante, dieses niemals müde werdens, bin ich dankbar. Oft empfinde ich, dass mir positive Attribute zugeschrieben werden, die nicht (allein) mein Verdienst sind. Ich sehe mich viel mehr als Spiegel derer, die mich Tag für Tag zu dem machen, was ich bin. Und ich bin dankbar dafür, dass ich all das Gute, was mir durch die Gesellschaft widerfährt zu spiegeln vermag.

Ich bin dankbar.
Ich bin glücklich.

Mutter aller Völker
[Buch-Tipp] Nelly Diener
Legionseintritt

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