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Wort zum Sonntag
11.11.2018 16:00

Rückbesinnung.

Die heutigen Lesungen handelten von Authenzität; von einer Armen, deren kleine Spende Grosses bedeutet und von Pharisäern in Priestergewändern. Die Bibel lud uns dazu ein, hinter die Fassaden zu blicken und den wahren Charakter einer Handlung zu erkennen.

Ich liess mir diese Worte in unserer eigenen Dorfkirche in Weiach nochmals in aller Ruhe durch den Kopf gehen, als wir nach einem Spaziergang noch kurz dort einkehrten. Zum Glück war sie noch offen.
Ich betrachtete den bereits wieder verwaisten Ort, dessen Duft ich so eng mit meiner Kindheit verknüpfe, während mein Bruder zu den Glockenschlägen über uns hüpfte, die ihn an seinen verstorbenen Götti erinnerten, der hier lange Jahre Sigrist war. Ich begutachtete den kunstvoll gemalten Bibelvers an der Wand, der mich bereits in meinen ersten Konfirmationslektionen davor warnte, dass Abtrünnige beschämt werden, der aber auch gleichzeitig Hoffnung und Heil versprach. Ich bewunderte das zentrale Kirchenfenster mit dem Paradies der Offenbarung, das mich schon als kleines Kind fesselte. Mein Blick streifte die Kirchenorgel, die mich irgendwie wegen ihrer farblichen Akzente an eine Zikusorgel erinnert. Ich musterte die Taufkerze, welche Symbole des Friedens und der heiligen Dreifaltigkeit trug. Wie sie wohl am Palmsonntag 1990 aussah, als ich in dieser Halle feierlich getauft wurde? Meine Mutter berichtete mir, dass ich ganz ruhig war und nicht einmal geschrien habe...

Wie ich diesen Ort so auf mich wirken liess, war ich dankbar dafür, dass er so ist, wie er eben ist. In einer Zeit, in der die katholische Kirche ihre Korruption öffentlich ausgelebt hat, waren es die Reformierten, die sich zurück besannen auf das Wort Gottes und nicht mehr länger gewillt waren sich hinter Fassaden wie dem Ablasshandel zu verstecken. Insofern hege ich keinen Groll gegen diese Brüder an sich, vielleicht lediglich ein wenig gegen die Pharisäer in dieser Gemeinde.

Ich wünsche mir, dass die katholische Kirche weiter dazu lernt und sich vom Geist der Reformation positiv und selbstkritisch bestärken lässt.
Ich wünsche den Reformierten, dass sie sich weiter zurück besinnen auf den Kern des Christentums und sich nicht weiter selbst und Gottesgeschenke wie die Sakramente bringen.
Ich wünsche uns als Christen, dass wir irgendwann wieder als eine einzige, grosse Familie vereint sind.
Und bis dahin bewahre ich diesen Ort, diese schönen Gemäuer meiner Heimat, weiterhin als zärtliche Erinnerung in meinem Herzen.

Ich bin dankbar.
Ich bin glücklich.

Sola scriptura
Opferstockgabe
Kirchenorgel
Fenster der Offenbarung
Game-Day
Ohrwurm der Woche

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