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Wort zum Sonntag
03.03.2019 15:30

Lesung aus dem Buch Jesus Sirach:
"Wie beim Sieben Unrat zurückbleibt, so werden die Fehler eines Menschen durch Nachdenken sichtbar. Wie der Ofen die Gefässe des Töpfers erprobt, so kann man den Menschen prüfen an seiner Rede. An der Frucht merkt man, wie der Baum gepflegt ist; ebenso erkennt man das Herz des Menschen an seiner klugen Rede. Du sollst niemand loben, bevor du über ihn nachgedacht hast; denn so prüft man die Menschen."

Aus dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus ✝:
"Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist wie sein Meister. Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr? Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen. Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, noch einen faulen Baum, der gute Frucht trägt. Ein jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Denn man pflückt nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem Bösen. Denn wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über."

Sinnen wir also über diese Worte der Selbstreflexion.

Reflexion

Ich persönlich hatte etwas Mühe mit der eher anklagenden Predigt des Pfarrers und der Verteufelung des Internets (nebst meinem Bruder und mir waren nur ältere Semester vertreten, die dem Digitalen vielleicht ohnehin schon ablehnend gegenüberstehen), jedoch konnte ich ihm durchaus beipflichten. Nur, weil mir jemand nicht sympathisch ist, heisst das für mich nicht, dass er automatisch im Unrecht ist und seine Perspektive ohne Wert ist!

Wie ich in den letzten Tagen gerade selbst Online feststellen durfte, scheint das Herz von manchem Gläubigen durch das eigene Ego schwer beschädigt. Hier wird mit Beleidigungen um sich geworfen, wenn die ausschliesslich für sich selbst gepachtete Erleuchtung durch das böse, böse Lehramt untergraben wird, da wird dem Gegenüber passiv-aggressive Unterstellungen zu verstehen gegeben, dass das eigene Ego wichtiger ist, als sich einmal in das Gegenüber zu versetzen, Worte auf sich wirken zu lassen und sich vielleicht auch einmal selbst skeptisch zu hintersinnen oder sogar aus der Sichtweise des Gesprächspartners zustimmend eine wertvolle Erkenntnis zu bringen.

Dabei hätte jeder von uns Sündern erst einmal genug vor der eigenen Türe zu kehren. Es ist spannend, wie die Kanervalszeit jedem präsent scheint, aber dafür die Zeit danach, die des Fastens und der Busse, nicht... Das gleiche Trauerspiel herrscht aktuell auch bei Dingen wie z.B. der Politik.
Viele scheinen zu wissen, wie es um den Planeten steht und dennoch scheinen nur Wenige willig, an der Tragödie etwas zu ändern und sich selbst zum Wohle aller etwas einzuschränken.
So scheinen auch die Kirchgänger, die noch übrig sind, zu erkennen, wie die Kirche unter dieser inneren Zerrissenheit zerfällt, wie die Mitglieder davon laufen 
 dennoch wurden z.B. mein Bruder und ich, die sonst im zugehörigen Bistum Chur und nicht im benachbarten Bistum Basel den Gottesdienst besuchen, als "Fremde" nicht wirklich warm empfangen, obwohl wir als Grenzort auch den Kaiserstuhlern im Aargau seelsorgerisch zugeschrieben werden. Auch früher, als ich noch dort im Kirchenchor sang, herrschte ein entsprechend überhebliches Klima. Das heisst nicht, dass alles hier auf dem Land schlecht ist, es sind einfach nur erlebte Beispiele aus erster Hand, die geprägt haben. Als ich mich der Kirche wieder zuwendete, war deswegen für mich klar: Lieber tue ich mir eine halbe Tagreise für eine Kirchgemeinde an, in der ich mich willkommen und aufgehoben fühle, als dass ich mir diese Gesellschaft als Sorgenkind aufhalse. Dabei hätte das Nachbardorf mit der Hand voll überalterten Einwohnern im Grunde den Support nötiger, als eine mittelgrosse Gemeinde, in der die Kirchen stets durch alle Altersklassen gut besucht sind... Es ist an diesem Beispiel ein typisches Armutszeugnis im Kleinen, das ich mir nicht für eine Kirche wünsche, die von einem gütigen und offenherzigen Herrn geschaffen und entsandt wurde, um Worte der Liebe und der Vergebung zu verkünden. Und dieses Beispiel im Kleinen zeigt auch, dass es zu einfach ist, sich immer nur das Maul über die höheren Positionen der Kirche und deren Versäumnisse und Vergehen auszulassen. Wir alle sind die Kirche, jeder Einzelne von uns ist nicht minder in der Verantwortung, um Gottes Willen nach bestem Wissen und Gewissen in die Tat umzusetzen.

Beten wir dafür, dass alle Gläubige sich ein offenes und ehrliches Herz bewahren.

Amen.

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